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Kurse

3 Minuten Stille

Warum du Lawinen-Wissen lieber ohne Fehlentscheidungen direkt am Berg lernen solltest.

Simone Vogl-Umschaden und ihr Mann Gustav Philipp Vogl haben Lawinenkurse digitalisiert, weil sie überzeugt davon sind, dass dadurch die Art von Entscheidungssicherheit entsteht, die Lawinenabgänge wirklich verhindern kann.
Die ehemalige Profi-Snowboarderin, selbst Opfer eines Lawinenabgangs, und der E-Learning-Experte haben Lawinentrainings und Übung unter realen Bedingungen digitalisiert. 

Aber fangen wir von vorne an: 

„Ein Lawine ist der denkbar blödste Lehrmeister.“

Winter, 2009:

Es war eine dieser Touren, die auch gut hätte ausgehen können. Wir wären abgefahren und hätten im Tal auf den Traumtag abgeklatscht. Wir hätten danach beim Germknödel darüber philosophiert, dass die Entscheidung zwar heikel, aber am Ende ja gut war. Und das Schlimme: Wir hätten diesen Erfahrungsschatz und die falsche Belohnung für die nächste Tour abgespeichert.

Denn: “Nur weil keine Lawine abgeht, ist die Entscheidung nicht richtig”, ist der Leitspruch einer unserer Bergführer bei schneeWISE Philipp Leodolter.

Und an diesem Tag, im Februar 2009, war die Entscheidung nicht richtig. Ein Schneebrett löste sich. Ich wurde 300 m mitgerissen und von der Lawine verschluckt. Stille. Panik. Hoffnung. Und ein Gedanke, der lauthals schreit: „Ich kriege zu wenig Luft!“ Nach 3 endlos langen Minuten hörte ich meinen Kollegen, er schaufelte mich frei. Glück. Erleichterung. Scham.

Heute weiß ich, dass diese falsche Entscheidung nicht die erste meiner Skitouren-Geschichte war. Sie war nur die Erste, die mit dem strengsten Lehrmeister überhaupt bestraft wurde: dem Lawinenabgang.

90% der Lawinen werden von den Opfern – oder deren Gruppe – ausgelöst

90%! Das ist eine statistische Größe, die man nicht kleinreden kann. Im Winter 2024/25 sind allein in Österreich 28 Personen aufgrund einer Lawine verstorben. Folgen wir der Statistik, ist die Lawine bei 27 der 28 Personen abgegangen, weil sie selbst oder Personen aus der Gruppe nicht richtig gehandelt haben.

Im Winter 2009, aber auch bei anderen Touren davor, konnte ich das Wissen aus meinen Kursen nicht abrufen, habe mich bei der Gruppe angehängt, mich verlassen und war nicht in der Lage, für mich eigenständig und mit Selbstsicherheit zu entscheiden.

“Er muss es ja wissen” – Typische Heuristikfallen

Die sogenannten Heuristikfallen, also das Kleinreden von Bauchgefühlen sowie Denkfehler bei schnellen Entscheidungen, lauern auf einer Skitour bzw. abseits der präparierten Pisten überall.

Heuristikfallen betreffen sowohl Neulinge als auch erfahrene Skitouren-Geher:innen. Hier eine Übersicht der gängigsten, wahrscheinlich hast du einige schon selbst mal gehört oder gedacht:

  • Vertrautheit: “Den Hang bin ich schon zigmal gefahren.” Aber wie sind die Bedingungen in diesem Winter, heute?
  • Knappheit: “Schnell rein, bevor Spuren drin sind.” Übereilte Entscheidungen machen blind für Bedingungen.
  • Sozialer Druck: “Ach, komm schon mit.” Gruppendynamiken sind ein großes Thema, vorrangig (aber definitiv nicht nur) bei Jugendlichen.
  • Autorität: “Er:sie muss es ja wissen.” Und dabei eigene Warnzeichen überhören.
  • Tagesplan: “Aber das hatten wir heute vor.” Umentscheiden gehört am Berg dazu, Wetter und Bedingungen können sich ändern.
  • Zeitdruck: “Schnell zur letzten Talabfahrt.” Abseits der Piste kann eine Abkürzung bis zum Frühling dauern.

LVS-Kurse & – Ausrüstung

Die Zahlen der Ausbildungsinstitute (Alpenverein oder anderen Alpinschulen), zeigen, dass die Bereitschaft für Skitouren- und LVS-Kurse groß ist. Fast alle Skitouren-Begeisterte haben solche Kurse besucht. Auch die Ausrüstung und LVS-Geräte werden immer besser und einfacher in der Handhabe. Das Problem bei Lawinenunglücken ist also weder fehlende LVS-Kurse, noch fehlende Schaufeln oder Sonde.

Und auch in meinem Fall hatte ich all das dabei, aber selbst nach etlichen Lawinen-Kursen und Touren mit Bergführern nicht die nötige Sicherheit, um weise zu entscheiden. Mir fehlte schlicht die Übung richtiger Handlungen.

Brücke zu Live-Kursen: digitales Üben

Oft fehlt nach einem LVS-Kurs das direkte Expertenfeedback in der realen Tourenpraxis. Zeitdruck, Stress, Gruppendynamik oder wechselnde Wetterbedingungen erschweren klare Entscheidungen. Da es selten eindeutige Ja-Nein-Antworten gibt, sind Prozesse und Risikoeinschätzung gefragt – doch genau diese Aspekte geraten ohne kontinuierliches Üben schnell in Vergessenheit. Und wie viel kann wirklich geübt werden, denn wie viele Touren kann man in einem Winter schon machen? Und wie viele davon sind schwierig oder in komplexen Bedingungen?

Die Gründung von schneewise.com

Mein Mann Gustav war zu diesem Zeitpunkt Geschäftsführer einer E-Learning-Agentur und so ergab eines das andere und www.schneewise.com entstand. Wir wollten Üben ermöglichen. Wir wollten Entscheidungssicherheit schaffen. Wir wollten Eigenständigkeit schärfen. Wir wollen nichts weniger als Lawinentote reduzieren.

Entscheidungssicherheit trainieren

Unsere Lawinentrainings setzen also genau dort an, wo Praxiskurse enden: beim Üben. Wir verlängern das Wissen aus den LVS-Kursen und fügen zwei Faktoren hinzu: Anwenden und Variationen trainieren. Durch das wiederholte (!) Anwenden (!) von Wissen, mit der Reflexion der getroffenen Entscheidungen durch unser Bergführer-Team sowie die Stärkung der eigenen Meinung wirst du bessere Entscheidungen treffen.

Die Trainings sollten regelmäßig von allen durchgeführt werden, die gerne im Tiefschnee unterwegs sind: Teens abseits der Piste, Skitouren-Geher:innen, Urlauber und Neulinge.

Gamification – alles für den Puls!

Unsere Kurse sind an echten Hängen unter echten Bedingungen gefilmt. Sie sind von E-Learning-Experten konzipiert, mit Bergführern entwickelt und von Profis gefilmt. Die Trainings bilden unterschiedliche Varianten ab, sie kombinieren Wissen und dessen Anwendung, sodass Lernen überhaupt möglich ist.

Und sie machen Spaß: denn sie treiben aufgrund der POV-Sicht des Films, Gamification-Features sowie Mikro-Entscheidungen deinen Puls hoch, sodass du auch unter Stress lernst, richtig zu handeln.

Digitale Lawinentrainings: Standard-Ausrüstung für deine nächste Ski-Tour


Ich möchte nie wieder mit so wenig Anwendungswissen, Reflexion und Übung auf den Berg gehen wie 2009. Ich glaube, dass digitales Üben – gerade in unseren aktuellen Wintern mit mal mehr, mal weniger Schnee – unabdingbar ist, um die Statistik der Lawinentoten zu verändern.

Nur, wenn du nicht nur Wissen hast, sondern dieses im Ernstfall auch anzuwenden weißt, kannst du mit Genuss auf deine nächste Tour. Ohne schlechtes Gewissen und ohne Angst. Ich genieße heute jede Tour noch einmal mehr, bewusster und vor allem sicherer.

Digitale Trainings bei schneewise.com

Unsere Trainings erweitern sich jeden Winter, heuer kam zum Beispiel ganz frisch das Modul “Notfall Lawine” hinzu, bei dem du genau 10 Minuten Zeit hast, um die verschüttete Person zu befreien. Schweißperlen auf der Stirn inklusive. Aber auch viele Varianten und Präventionskurse sind in Deutsch und Englisch vorhanden. Für Teens haben wir mit dem Land Tirol ein kostenloses App-Training entwickelt, das besonders auf die Dynamiken in der Gruppe abzielt.

Unsere Pakete sind auch im praktischen Viel-Über-Jahresabo erhältlich, somit hast du geballte Übung zum unschlagbaren Preis! Aber jetzt genug der Werbung, schaut euch einfach gerne bei uns um!

Ich wünsche euch wunderbare Winter und freue mich, wenn ihr mir Feedback schickt, sobald ihr unsere digitalen Lawinen-Trainings absolviert habt!

Eure Simone