Lawinenprobleme
Lerne die fünf typischen Lawinenprobleme kennen
Die Fähigkeit, wiederkehrende Muster zu erkennen und zu kategorisieren, ist essenziell für effizientes Entscheiden. Dies gilt auch für die Beurteilung der Lawinengefahr. Fünf typische Lawinenprobleme wurden definiert, um wiederkehrende Gefahrensituationen im Gelände zu beschreiben. Diese Kategorisierung unterstützt sowohl die Lawinenwarnung als auch Wintersportler bei der Einschätzung der Lage.
Die Fähigkeit, wiederkehrende Muster zu erkennen und zu kategorisieren, ist essenziell für effizientes Entscheiden. Dies gilt auch für die Beurteilung der Lawinengefahr. Fünf typische Lawinenprobleme wurden definiert, um wiederkehrende Gefahrensituationen im Gelände zu beschreiben. Diese Kategorisierung unterstützt sowohl die Lawinenwarnung als auch Wintersportler bei der Einschätzung der Lage.
Als dritter Teil der Informationspyramide ergänzen die Lawinenprobleme die Angaben zur Gefahrenstufe und zu den Gefahrenstellen. Jedes Lawinenproblem wird durch folgende Merkmale charakterisiert:
- Art der zu erwartenden Lawinen: z.B. Schneebrettlawinen, Lockerschneelawinen
- Räumliche Verteilung: Wo tritt das Problem typischerweise auf?
- Lage der Schwachschichten: Wo in der Schneedecke befindet sich die Schwachstelle?
- Auslösemechanismus: Wie werden Lawinen ausgelöst?
- Dauer der Gefährdung: Wie lange besteht die Gefahr?
- Empfehlungen für die Bewegung im Gelände: Welche Vorsichtsmaßnahmen sind zu treffen?
Inhaltsverzeichnis
Neuschneeproblem
Problemerkennung im Gelände
Das Neuschneeproblem ist relativ einfach zu erkennen. Beachte die kritische Neuschneemenge und frische Lawinen. Beachte, dass kleine Wetterwechsel (z.B. Änderung der Luftfeuchte) die Neuschneebedingungen markant ändern können.
Verhaltensempfehlung
Trockene Schneebrettlawinen: Warte, bis sich der Neuschnee stabilisiert hat.
Trockene Lockerschneelawinen: Beachte v.a. die Mitreiß- und Absturzgefahr im extremen Steilgelände
Merkmale
Das Problem entsteht durch aktuelle Schneefälle oder kurz zuvor gefallenen Neuschnee. Der Haupteinflussfaktor ist die kritische Neuschneemenge, die von mehreren Faktoren, wie zum Beispiel Temperatur oder Eigenschaften der alten Schneeoberfläche abhängt.
Zu erwartende Lawinenarten
- trockene Schneebrettlawinen
- trockene Lockerschneelawinen
- spontane und künstliche Auslösungen
Räumliche Verteilung
Meist weit verbreitet und in allen Expositionen.
Position der Schwachschicht in der Schneedecke
Meist am Übergang zur alten Schneeoberfläche, manchmal aber auch innerhalb der Neuschneeschichten und manchmal auch tiefer in der Altschneedecke.
Auslösemechanismus
Trockene Schneebrettlawinen: Zusatzbelastung durch den Schneefall auf existierende oder neu gebildete Schwachschichten.
Trockene Lockerschneelawinen: Fehlende Verbindung zwischen den Neuschneekristallen.
Dauer
Während des Schneefalls bis einige Tage danach.
Triebschneeproblem
Problemerkennung im Gelände
Das Triebschneeproblem ist mit Übung und bei guten Sichtverhältnissen relativ leicht zu erkennen, außer der Triebschnee wurde von Neuschnee überlagert. Beachte Windzeichen und lokalisiere Triebschneeablagerungen. Typische Hinweise: Triebschneeablagerungen, Rissbildung, WUMM-Geräusche, frische Lawinen. Oft ist es aber schwierig, das Alter des Triebschnees abzuschätzen und Triebschnee muss zudem nicht zwingend ein Problem sein (zum Beispiel bei fehlender Schwachschicht).
Verhaltensempfehlung
Vermeide Triebschneeablagerungen in steilem Gelände, insbesondere an Übergängen von wenig zu viel Schnee und von weichem zu hartem Schnee.
Merkmale
Das Problem entsteht durch windverfrachteten Schnee. Triebschnee kann sowohl mit, als auch ohne gleichzeitigen Schneefall entstehen.
Zu erwartende Lawinenarten
- trockene Schneebrettlawinen
- spontane und künstliche Auslösungen
Räumliche Verteilung
Ausgesprochen unregelmäßig verteilt; tendenziell in windabgewandten Bereichen (Lee), in Rinnen, Mulden, hinter Geländekanten und anderen windberuhigten Flächen. Häufiger über der Waldgrenze als darunter.
Position der Schwachschicht in der Schneedecke
Meist am Übergang zur alten Schneeoberfläche oder innerhalb des Triebschnees (Schichtung durch Änderungen in der Windgeschwindigkeit während einer Sturmperiode) und gelegentlich auch tiefer in der Altschneedecke.
Auslösemechanismus
Zusatzbelastung durch den Triebschnee auf eine Schwachschicht. Triebschnee bildet ein Schneebrett, das speziell zur Bruchausbreitung neigt.
Dauer
Triebschnee kann sehr rasch entstehen. Das Problem dauert üblicherweise während der Verfrachtung bis einige Tage nach dem letzten Windeinfluss (abhängig vom Schneedeckenaufbau).
Altschneeproblem
Problemerkennung im Gelände
Das Altschneeproblem ist äußerst schwierig zu erkennen. Zeichen für Instabilität (z.B. WUMM-Geräusche) sind typisch, aber nicht zwingend vorhanden. Schneedeckentests können helfen, die Schwachschichten zu erkennen. Informationen zur Schneedeckenentwicklung und Informationen im Lawinenlagebericht/Lawinenbulletin sind wichtig. Die Bruchfortpflanzungen erfolgen üblicherweise über weite Strecken. Fernauslösungen sind ebenfalls möglich.
Verhaltensempfehlung
Meiden von grossen Steilhängen und Zurückhaltung. Beachte den Witterungsverlauf und die Schneedeckenentwicklung in einem Gebiet. Besondere Vorsicht in schneearmen Bereichen und Übergängen von schneearm zu schneereich.
Das Altschneeproblem ist eine Hauptursache von tödlichen Lawinenunfällen bei Wintersportlern.
Merkmale
Das Problem entsteht durch vorhandene Schwachschichten innerhalb der Altschneedecke. Typische Schwachschichten sind eingeschneiter Oberflächenreif, Tiefenreif (auch Becherkristalle oder „Schwimmschnee“ genannt) oder kantige Kristalle.
Zu erwartende Lawinenarten
- trockene Schneebrettlawinen
- meist künstliche Auslösungen (z.B. Wintersportler, Sprengung); spontane Lawinen sind selten, meist in Kombination mit einem anderen Lawinenproblem
Räumliche Verteilung
Das Lawinenproblem kann sowohl großflächig verteilt, als auch kleinräumig konzentriert sein. Es ist in allen Expositionen möglich, aber häufiger in schattigen, eher windgeschützten Hängen.
Position der Schwachschicht in der Schneedecke
Irgendwo im Altschnee, oft tief in der Schneedecke. Wenn die Schwachschicht von mächtigen, stabileren Schichten überdeckt ist, wird die Auslösung schwieriger.
Auslösemechanismus
Bruch einer Schwachschicht im Altschnee, wenn die Zusatzlast die Festigkeit der Schwachschicht überschreitet.
Dauer
Wochen bis Monate; teilweise während des gesamten Winters.
Nassschneeproblem
Problemerkennung im Gelände
Das Nassschneeproblem ist meist einfach zu erkennen. Beginnender Regen, Bildung von Schneeballen oder Schneerollen, kleine nasse Schneebrett- oder Lockerschneelawinen kündigen oft nasse Lawinenaktivität an. Tiefes Einsinken in die Schneedecke ist ebenfalls ein Zeichen zunehmender Durchfeuchtung/-nässung.
Verhaltensempfehlung
Gibt es an der Schneeoberfläche eine Schmelzharschkruste, sind die Bedingungen am Morgen nach einer kalten, klaren Nächten meist günstig. Nach warmen, bedeckten Nächten tritt das Problem oft bereits am Morgen auf. Bei Regen auf eine trockene Schneedecke tritt das Problem meist unmittelbar auf. Gutes Timing und eine gute Tourenplanung sind entscheidend. Beachte Lawinenauslaufbereiche.
Merkmale
Das Problem entsteht durch eine zunehmende Schwächung der Schneedecke durch Wassereintrag, entweder durch Schmelze oder Regen.
Zu erwartende Lawinenarten
- Nasse Schneebrettlawinen
- Nasse Lockerschneelawinen
- Meist spontane Auslösungen
Räumliche Verteilung
Wenn die Sonneneinstrahlung die Hauptursache des Problems ist, hängt die Verbreitung vor allem von der Höhenlage und der Exposition ab. Wenn Regen die Ursache ist, sind alle Expositionen betroffen.
Position der Schwachschicht in der Schneedecke
Irgendwo in der Schneedecke.
Auslösemechanismus
Nasse Schneebrettlawinen: Schwächung und Bruch ehemaliger Schwachschichten in der Schneedecke oder Abgleiten von Schichten an Wasserhorizonten. Regen stellt zudem eine Zusatzlast auf die Schneedecke dar. Nasse Lockerschneelawinen: Verlust von Bindungen zwischen den Schneekristallen
Dauer
- Stunden bis Tage
- Rascher Stabilitätsverlust möglich
- Kritisch ist das erste Eindringen von Wasser tiefer in die Schneedecke, sobald die Schneedecke 0 °C-isotherm ist.
Spontane Lawinenabgänge sind am Nachmittag wahrscheinlicher als am Morgen (außer wenn Regen die Hauptursache des Problems ist).
Gleitschneeproblem
Problemerkennung im Gelände
Gleitschneerisse (Fischmäuler) sind zwar einfach zu erkennen, der Auslösezeitpunkt kann jedoch so gut wie nicht vorhergesagt werden. Auslösungen sind auch ohne die Bildung von Gleitschneerissen möglich.
Verhaltensempfehlung
Halte dich nicht in der Nähe von Gleitschneerissen auf.
Merkmale
Die gesamte Schneedecke gleitet auf glattem Untergrund wie zum Beispiel Grashängen oder glatten Felsenzonen ab. Hohe Aktivität von Gleitschneelawinen ist typischerweise verbunden mit einer mächtigen Schneedecke mit wenigen oder keinen Schwachschichten. Gleitschneelawinen können sowohl bei einer trockenen, kalten als auch bei einer nassen, 0°C-isothermen Schneedecke auftreten. Den Abgangszeitpunkt von Gleitschneelawinen vorherzusagen ist kaum möglich, obwohl sie sich meist durch Gleitschneerisse (sogenannte Fischmäuler) ankündigen.
Zu erwartende Lawinenarten
- Gleitschneelawinen: trocken/kalt und nass/0 °C-isotherm
- Fast ausschließlich spontane Auslösungen. Künstliche Auslösungen sind unwahrscheinlich.
Räumliche Verteilung
Vor allem auf glattem Untergrund. In allen Expositionen, aber öfter an Südhängen.
Position der Schwachschicht in der Schneedecke
Am Übergang der Schneedecke zum Boden.
Auslösemechanismus
Gleitschneelawinen werden aufgrund des Reibungsverlusts auf einer feucht-nassen Schicht zwischen Schneedecke und Boden ausgelöst.
Dauer
Tage bis Monate, Auslösungen während des gesamten Winters möglich. Auslösungen können zu jeder Tages- oder Nachtzeit auftreten. Im Frühling treten sie meist im späteren Tagesverlauf auf.
Quellen
Unter folgenden Links bekommst du ausführliche Informationen in mehreren Sprachen: